Experiment 7: Phase Locked Loop (PLL)

Grundlagen

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Abb. 65 PLL als Black-Box mit Ein- und Ausgang dargestellt

Die Bezeichnung PLL ist ein Akronym des Wortes Phase Locked Loop (Phasenregelschleife). Eine PLL besteht aus einer Anordnung verschiedener Schaltungen, die zum Ziel haben, ein Ausgangssignal zu generieren, das in fester Phasenrelation zum Eingangssignal steht:

\[\phi_{out}(t) = \phi_{ref}(t) + const\]

Eine PLL kann also in erster Näherung als Zweitor mit einem Eingang und einem Ausgang angesehen werden (siehe Abb. 65)

Durch den Zusammenhang zwischen Phase und Frequenz (\(\omega(t) = \frac{\text{d}\phi}{\text{d}t}\)) ergibt sich daraus folgende Beziehung:

\[\omega_{out}(t) = \omega_{ref}(t)\]

PLL in einem Satz

Eine PLL besteht aus einem VCO, der über einen Regelkreis so abgestimmt wird, dass sich am Ausgang eine konstante Phasenbeziehung zum Eingangssignal einstellt.

Aufbau

In folgendem Abschnitt soll geklärt werden, aus welchen Blöcken bzw. Schaltungselementen eine PLL besteht. In Abb. 66 ist die Minimalkonfiguration mit drei Systemkomponenten dargestellt.

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Abb. 66 Grundlegendes Blockschaltbild einer PLL

Eine PLL kann z.B. komplett analog, komplett digital, als Mixed-Signal Schaltung oder sogar komplett in Software implementiert werden. In diesem Dokument wird der Aufbau in analoger Schaltungstechnik beschrieben. Die Grundlegenden Konzepte sind jedoch auch auf andere Implementierungen übertragbar.

Phasenkomparator

Der Phasenkomparator vergleicht das Eingangssignal \(u_{ref}\) der PLL mit dem generierten Ausgangssignal \(u_{fb}\) und gibt eine zur Phasenverschiebung proportionale Spannung \(u_e\) aus (in Form eines PWM Ausgangs). In Abb. 67 ist das Ausgangssignal des Phasenkomparators bei konstantem Phasenversatz dargestellt.

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Abb. 67 Darstellung der Funktionsweise eines Phasenkomparators anhand zweier Beispiele mit unterschiedlichen Phasenverschiebungen

Es ist zu erkennen, dass die gemittelte Ausgangsspannung \(\overline{u}_e\) größer ist, je kleiner die Phasenverschiebung zwischen den beiden Eingangssignalen ist.

In Abb. 68 ist das Ausgangssignal des Phasenkomparators dargestellt, wenn die beiden Eingangssignale \(u_{ref}\) und \(u_{fb}\) eine ungleiche Frequenz aufweisen:

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Abb. 68 Ausgangssignal bei \(f_{ref} \neq f_{fb}\)

Durch die Multiplikation der beiden Signale kommt es zu einer Mischung der Frequenzen. Das Ausgangssignal \(u_e\) enthält nun die Summen- und Differenzfrequenzen der beiden Eingänge. In dem unteren Graphen ist das Ausgangssignal zusätzlich mit einem Tiefpass gefiltert dargestellt. Nach der Filterung ist hier fast ausschließlich die Differenzfrequenz \(|f_{ref} - f_{fb}|\) erkennbar. Je größer die Differenz der Frequenzen der Eingänge ist, desto größer ist die Frequenz des Ausgangssignals \(\overline{u}_e\). Mit diesem Verständnis kann später bei der Auslegung des Schleifenfilters die Capture Range optimiert werden.

Phasenkomparatoren können z.B. mit einem Analogmultiplizierer oder für digitale PLLs mit einem XOR-Glied oder einem Flip-Flop realisiert werden. Abhängig von der gewählten Implementierung können sich die Phasenverschiebungs/Ausgangsspannungs-Kennlinien unterscheiden. Da hier eine analoge PLL aufgebaut werden soll, wird für den Phasenkomparator ein Anlogmultiplizierer eingesetzt. Die Kennlinie eines idealen Analogmultiplizierers ist in Abb. 69 dargestellt:

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Abb. 69 Kennlinie eines analogen Analogmultiplizierers

Es ist zu erkennen, dass die Ausgangsspannung \(\overline{U}_e\) bei einer Phasenverschiebung von 90° einen Wert von 0V annimmt. Da eine Spannung von 0V jedoch am VCO eine Frequenz von 0Hz ergeben würde, muss die Ausgangsspannung des Multiplizierers noch mit einem Offset versehen werden:

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Abb. 70 Kennlinie eines Analogen Analogmultiplizierers mit Offset

In Abb. 70 ist der Analogmultiplizierer mit nachgeschaltetem Addierer für den Offset dargestellt. Über die Offsetspannung \(U_{bias}\) kann die Free-running Frequenz der PLL eingestellt werden. Zusätzlich wurde der Ausgang des Multiplizierers mit einem Skalierungsfaktor beaufschlagt.

Schleifenfilter

Dem Phasenkomparator nachgeschaltet ist der Schleifenfilter. Dieser dient hauptsächlich zur Glättung des vom Phasenkomparator generierten PWM Signals. Im einfachsten Fall kann ein simpler RC-Tiefpass eingesetzt werden.

Dennoch ist der Schleifenfilter ein kritisches Element im Regelkreis einer PLL. Er hat z.B. Einfluss auf die Stabilität des Regelkreises, die Capture-Range, das Phasenrauschen des Ausgangs und die Einreglzeit. Nachfolgend sind die Auswirkungen der Bandbreite auf verschiedene Eigenschaften einer PLL aufgelistet:

Bandbreite:

Niedrig

Hoch

Phase margin:

Gering

Hoch

Capture-Range:

Klein

Groß

Jitter durch Phasenkomparator:

Gering

Hoch

Jitter durch VCO:

Hoch

Gering

Einregelzeit:

Langsam

Schnell

VCO

Der VCO (Voltage Controlled Oscillator) generiert das Ausgangssignal der PLL. Die Frequenz des Ausgangssignals ist abhängig von der Eingangsspannung des VCO. In Abb. 71 ist die Kennlinie eines idealen VCO dargestellt.

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Abb. 71 \(u/f\) Kennlinie eines Idealen VCO

Da in Experiment 6: Voltage Controlled Oscillator (VCO) bereits näher auf die Funktionsweise und die Hintergründe zu dem hier verwendeten VCO erläutert wurden, soll hier nicht näher darauf eingegangen werden.

Anwendung

PLLs werden in nahezu allen Bereichen der Elektrotechnik verwendet. Nachfolgend sind drei gängige Anwendungsbeispiele beschrieben:

Frequenzsynthese: Durch den Einsatz eines Frequenzteilers im Feedback-Pfad der PLL kann die Frequenz des Ausgangs um einen bestimmten Faktor vervielfacht werden. In modernen Mikroprozessoren sind häufig mehrere PLLs integriert, die für die Generierung der verschiedenen intern benötigten Frequenzen (z.B. CPU-Clock, Memory-Clock, Peripheral-Clock etc.) zuständig sind. In einem i.MX6 (einem ARM A9 SOC) des Herstellers NXP sind für genau diesen Einsatzzweck 6 verschiedene PLLs eingebaut.

FM Demodulation: Wird am Eingang der PLL ein Frequenzmoduliertes Signal angelegt, sorgt der Regelkreis dafür, dass am Eingang des VCOs immer eine zur momentanen Eingangsfrequenz proportionale Gleichspannung anliegt. Diese Spannung entspricht direkt dem demodulierten Signal.

Clock/Carrier Recovery Bei der seriellen, asynchronen Datenübertragung (z.B. SATA, SDI) wird genau wie bei den gängigen Verfahren der Funktechnik (z.B. PSK, ASK) kein separates Taktsignal übertragen. Im Empfänger muss diese Taktinformation somit aus dem eigentlichen Datenstrom extrahiert werden. Auch für diesen Einsatzzweck (genannt Clock Recovery bzw. Carrier Recovery) werden PLLs verwendet.

Modellisierung im linearisierten Phasenraum

Zur Auslegung und Charakterisierung der PLL kann dessen Regelkreis aus systemtheorethischer Sicht betrachtet werden. Hierzu wird zunächst die LTI Übertragungsfunktion des Regelkreises aufgestellt. Als Eingangs- bzw. Ausgangsgröße dient hier die Momentanphase der Signale. In Abb. 72 ist das Blockschaltbild des LTI Systems dargestellt. Der Phasenkomparator wird als P-Glied mit dem Faktor \(K_p\) (Steigung der \(u/\Delta \phi\) Kurve) modelliert. \(G(s)\) bezeichnet die Übertragungsfunktion des Filters, die es herauszufinden bzw. zu optimieren gilt. Der VCO wird als I-Glied modelliert, da seine Eingangsspannung nicht direkt die Phase, sondern die Frequenz steuert. Über die Beziehung \(\phi = \int{f}\) kann jedoch wieder auf die Ausgangsphase geschlossen werden.

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Abb. 72 LTI Modell der PLL im Phasenraum

Mit dem aufgestellten Modell wurde zunächst die Stabilität des Regelkreises überprüft. Hierzu wurde der Regelkreis geöffnet um die open-loop Frequenzantwort zu erhalten. Für den Der Schleifenfilter wurde auf eine Grenzfrequenz von 50Hz ausgelegt. In Abb. 73 ist der Frequenzgang dargestellt.

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Abb. 73 Frequenzgang des Open Loop Regelkreises

Aus dem Frequenzgang lässt sich die Phasenreserve zu 21,1° bestimmten. Damit ist zwar die relative Stabilität des Systems nachgewiesen, jedoch ist es gängige Praxis eine höhere Phasenreserve anzustreben (bei einem eventuellen Nachbau sollte also die Grenzfrequenz höher gewählt werden).

Wird der Regelkreis wieder geschlossen, kann der Closed-Loop Frequenzgang ermittelt werden (siehe Abb. 74).

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Abb. 74 Frequenzgang des Closed Loop Regelkreises

Aus dem Frequenzgang lässt sich die Grenzfrequenz des gesamten Regelkreises zu ca. 138Hz bestimmen. Die Capture-Range der PLL wird ungefähr der doppelten Grenzfrequenz entsprechen (also ca. 276Hz).

Schaltung

In Abb. 75 ist der Schaltplan der PLL dargestellt. Ein Großteil der Schaltung ist allein dem VCO zuzuordnen. Da dieser Teil bereits in Experiment 6: Voltage Controlled Oscillator (VCO) genauer erläutert wurde, wird hier nur auf den „vorderen Teil“ der Schaltung eingegangen.

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Abb. 75 Vollständiger Schaltplan der PLL

Der Eingang der PLL wird direkt auf den Analogmultiplizierer geschaltet (hier als idealer Multiplizierer dargestellt. Für den Schaltungsaufbau wurde ein MPY634 eingesetzt). Der Schleifenfilter wird aus R1 und C1 gebildet. Die Offsetspannung \(u_{bias}\) wird über den Widerstand R2 eingeprägt. Die Kombination aus R1 und R2 bewirkt zudem eine Skalierung des Multiplizierer-Ausgangs.

SPICE Simulation

Aufgrund der vorher durchgeführten systemtheorethischen Berechnungen wurde die SPICE Simulation nur noch zur Validierung der grundlegenden Funktion verwendet. In Abb. 76 ist ein Einschwingvorgang der PLL in der Simulation dargestellt. Es ist zu erkennen, dass die VCO Spannung (Pink) zu Beginn leicht schwingt und nach ca. 25ms konstant bleibt. Ab diesem Zeitpunkt stehen Eingangs- und Ausgangssignal mit einer festen Phasenbeziehung zueinander.

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Abb. 76 Einregelvorgang der PLL in SPICE Simuliert.

Messungen

VCO Kennlinie

Zunächst wurde ausschließlich der VCO aufgebaut und dessen Kennlinie aufgenommen (Siehe Abb. 77). Zwischen 2V und 6V verläuft die Kennlinie sehr linear. Dieser Bereich sollte beim Betrieb der PLL nicht verlassen werden.

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Abb. 77 Aufgenommene VCO Kennlinie

PLL - einfacher test

Anschließend wurde die komplette Schaltung nach Abb. 75 aufgebaut. Mit einem rechteckigen Referenzsignal mit \(\pm 8\,\text{V}\) und einer Frequenz von 1kHz ergibt sich das in exp07-timedomain dargestellte Ausgangssignal.

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Lock Range

Um die Lock-Range der PLL zu testen, wurde in laufendem Betrieb die Referenzfrequenz so lange nach oben bzw. nach unten verändert, bis der Regelkreis der PLL keine konstante Phasenbeziehung mehr herstellen kann. Die Capture-Range wurde ermittelt, indem die Frequenz ermittelt wurde, bei der die PLL sich beim Einschalten des Referenzsignals aufsynchronisieren kann. In Abb. 78 sind die Bereiche für zwei verschieden eingestellte Offset-Spannungen dargestellt (um 1kHz und um 2kHz):

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Abb. 78 Lock-Range (Hellblau) und Capture-Range (Dunkelblau) der PLL

Jitter

Als Jitter wird die zeitliche Streuung von Flanken eines Signals bezüglich eines bestimmten Referenzpunktes bezeichnet. Cycle-Jitter bezeichnet die maximale Streuung der Periodendauern des Ausgangssignals. Absolute Jitter bezeichnet die maximale Abweichung der Phasenverschiebung zwischen Eingangs- und Ausgangssignal. In Abb. 79 sind diese Jitter-Arten noch einmal illustriert:

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Abb. 79 Exemplarische Darstellung von Cycle- ud Absolutem-Jitter

Der Cycle- und Absolute-Jitter der PLL wurde für drei verschiedene Arbeitspunkte (Eingangsfrequenzen) ermittelt:

\(f_{ref}\)

Cycle-Jitter

Absolute-Jitter

500 Hz

19,8 us (9,90 ‰)

24,30 us (12,0 ‰)

1 kHz

3,60 us (3,60 ‰)

7,44 us (7,4 ‰)

2 kHz

0,68 us (1,36 ‰)

3,70 us (3,7 ‰)

Es ist zu erkennen, dass der relative Jitter (ausgedrückt durch die Promille-Werte) mit steigender Frequenz zunimmt.

Phasenbeziehung

Aufgrund der linearen VCO Kennlinie ist auch hier eine lineare Abhängigkeit zu erwarten. In Abb. 80 sind die Messwerte dargestellt:

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Abb. 80 Phasenbeziehung zwischen Eingangs- und Ausgangssignal über die gesamte Lock-Range

Innerhalb der Lock-Range nimmt die Phasendifferenz Werte zwischen ungefähr 70° bis 122° an. Der Arbeitsbereich des Phasenkomparators (45° bis 180°) wird also nicht vollständig ausgenutzt.